Hyperaktivitätsstörung

W A S   I S T   A D H S ? 



Die aktuell im deutschen Sprachraum verwendete Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet ADHS, was Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung heißt und aus dem amerikanischen Attention Deficit / Hyperactivity Disorder (ADHD) übersetzt wurde. Die Bezeichnung soll deutlich machen, daß es sich primär um eine Aufmerksamkeitsstörung handelt und die Hyperaktivität je nach Ausprägung hinzukommen kann oder nicht.

Kennzeichen:

Die Entwicklungsgeschichte in verschiedenen Altersstufen sieht bei ADHS-lern ungefähr so aus:

Es beginnt oft schon im Baby- und Kleinkindalter. Unruhig sind sie manchmal bereits im Mutterleib, danach Schreikinder, Speikinder. Hohe Experimentier- und Erkundungsfreude bei geringem Gefahrenbewußtsein führen häufig zu Unfällen, die gottlob meist glimpflich ausgehen.

Im Kindergarten- und Vorschulalter wird erkennbar, daß sie schwer in Gruppen integrierbar sind, eine geringe Frustrationstoleranz macht z.B. Mensch- Ärgere-Dich-Nicht-Spielen oft unmöglich. Sie stehen gern im Mittelpunkt, sind immer auf Achse und können nur schwer bei einer Sache bleiben: Jetzt Lego spielen, in der nächsten Minute Holzeisenbahn, danach zum Zeichenblock und dann wird die Bauklötzchen-Kiste ausgekippt .... . Entsprechend sieht das Kinderzimmer aus! Aufräumen können sie aber trotz gutem Willen nicht: Kaum haben Sie begonnen, kommt irgend etwas in ihre Hände, das sie ablenkt und das Zimmer sieht auch nach Stunden nicht besser aus.

Im Schulalter geraten sie oft in eine Außenseiterposition, sind Störenfried oder Klassenkaspar. Die Disziplin, die im Klassenzimmer nun von Ihnen verlangt wird, stellt für sie eine unlösbare Aufgabe dar. Gedanken, die ihnen durch den Kopf schießen, müssen sie sofort in die Klasse rufen und können nicht warten, bis der Lehrer sie drannimmt, nachdem sie sich gemeldet haben. Ihr übersteigerter Gerechtigkeitssinn und ihre unberechenbare Impulsivität ist oft genug Anlaß oder Verstärker bei verbalen und manchmal auch handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Sie können sich auch mit größter Anstrengung nur wenige Minuten auf den Unterrichtsstoff konzentrieren. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes verfallen sie danach in Tagträume, gucken Löcher in die Luft, kritzeln in ihrem Heft herum oder werden zappelig, kippeln mit ihrem Stuhl, laufen im Klassenzimmer herum oder necken Mitschüler.

Ihr ‘hüpfender’, oberflächlich abtastender Wahrnehmungsstil macht es ihnen schwer, Unterrichtsinhalte systematisch zu erfassen und sich zielorientiert auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Hausaufgaben sind ein Drama für diese Kinder. Es beginnt mit dem Schreiben, das ihnen schwer fällt. Verkrampft liegt der Füller in der Hand und wird mit hohem Druck über das Papier geführt. ”Hoffentlich mault Mutter nicht und ich muß alles noch mal schreiben, weil es nicht schön genug ist”, geht es ihm durch den Kopf. Stundenlang dauert das Ganze, denn es ist nicht möglich, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Trotz häufig überdurchschnittlicher Intelligenz, haben diese Kinder Probleme in der Schule. Nicht selten treten in Verbindung mit ADHS Teilleistungsschwächen auf wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie, visuelle / auditive oder taktile Wahrnehmungsstörungen, welche die Kinder zusätzlich belasten.

Im Jugendalter läßt die motorische Unruhe meist nach. Stärker noch als andere Jugendliche sind sie ausgesprochen stimmungslabil: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt wechseln sie innerhalb kürzester Zeit. Häufig sind sie depressiv verstimmt, ohne daß es dafür erkennbare Gründe gibt. Ihre Ausdauer ist gering. Sie sind leicht beeinflußbar und stets auf der Suche nach Extremen. Sie müssen alles ausprobieren und neigen zu risikoreichem Verhalten. Oft werden sie viel zu früh Eltern. Suchtgefahren können sie schlecht widerstehen, wenngleich sie nicht zu harten Drogen neigen. Viele ‘ Hypies’, wie sie oft genannt werden, sind bei ungünstigem Verlauf aber in Gefahr alkoholabhängig zu werden.

Selbst im Erwachsenenalter sind manche Menschen noch immer erkennbar betroffen. Eine gestörte Selbstorganisation, impulsiver Handlungsstil, Selbstwertprobleme, nicht zuhören können, hohes Aktionsniveau, ”sensation seeking” (die Suche nach dem ”Kick”) und in ungünstigeren Fällen Suchtprobleme (vor allem Alkohol) und Kleinkriminalität können Ausprägungen im Erwachsenenalter sein. Man weiß von Patienten zu berichten, die selbst jenseits der Fünfzig in bestimmten Situationen noch medikamentös behandelt werden müssen, z.B. im Arbeitsleben bei der Umstellung auf Computerverarbeitung oder um jeden Montag die langatmige Vorstandssitzung schadlos zu überstehen.


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